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Jeder im Internet ist bedroht – Der BSI-Lagebericht 2025 zeigt alarmierende Tendenzen
Die Digitalisierung schreitet in allen Lebensbereichen voran – doch mit jeder neuen Verbindung ins Netz wächst auch die Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Das zeigt der Lagebericht 2025 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der den Zeitraum vom 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025 abdeckt und am 11. November 2025 vorgestellt wurde: Täglich werden rund 280.000 neue Schadprogrammvarianten entdeckt, mit denen Angreifer versuchen, Daten zu stehlen oder Lösegeld zu erpressen.
Zunehmende Risiken für Bürger und Unternehmen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BSI-Präsidentin Claudia Plattner betonen, dass nicht nur Behörden oder Konzerne im Fokus stehen, sondern vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie Privatpersonen. Viele dieser Gruppen unterschätzen nach wie vor die Gefahren, die von Phishing, Schadsoftware oder gezielten Cyberattacken ausgehen. Insbesondere kleinere Organisationen verfügen oft weder über das Know-how noch über die Ressourcen, um sich ausreichend zu schützen.
Sinngemäß lautet die Kernaussage: Wer online erreichbar ist, ist potenziell angreifbar, ob Person oder Institution. Die Angriffsfläche wächst, weil immer mehr Geräte, Prozesse und Infrastrukturen digital vernetzt werden – vom privaten Smart Home bis zum industriellen Steuerungssystem.
Bedrohungslage bleibt angespannt
Auch wenn internationale Sicherheitsbehörden zuletzt einige große Angreifergruppen ausschalten konnten, bleibt die Bedrohung hoch. Deutschland gehört nach Angaben des Bundesinnenministeriums zu den vier am häufigsten angegriffenen Staaten weltweit. Besonders aktiv sind laut BSI staatlich gelenkte Hackergruppen aus Russland, China, Nordkorea und dem Iran. Neben politischen Motiven spielen wirtschaftliche Interessen und Spionageziele eine zunehmende Rolle.
Die Sicherheitslage wird durch globale Krisen zusätzlich verschärft. Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen – etwa Energieversorger, Verwaltungen oder Gesundheitseinrichtungen – können verheerende Auswirkungen haben. Der Lagebericht weist daher auf die Notwendigkeit hin, Resilienzstrategien zu stärken und Sicherheitsstandards konsequent umzusetzen.
Sorglosigkeit als Sicherheitsrisiko
Besonders besorgniserregend ist nach Einschätzung des BSI die wachsende „digitale Sorglosigkeit“ in Teilen der Bevölkerung. Viele Nutzerinnen und Nutzer betrachten Cyberangriffe noch immer als abstrakte Bedrohung, obwohl sie täglich konkret betroffen sein können – etwa durch Datenklau, Identitätsdiebstahl oder betrügerische E-Mails. Dieses fehlende Bewusstsein mache es Angreifern leicht, erfolgreich zu sein.
Claudia Plattner fordert daher, das Thema IT-Sicherheit stärker in den gesellschaftlichen Diskurs zu rücken und vor allem kleine Unternehmen, Vereine, Kommunen und Bildungseinrichtungen gezielt zu sensibilisieren.
Regierung reagiert mit mehr Budget und neuen Gesetzen
Um die Abwehrfähigkeiten zu verbessern, erhält das BSI deutlich mehr Geld. Bereits im Sommer 2025 hatte Bundesinnenminister Dobrindt für 2026 einen Aufwuchs von rund 50 Prozent angekündigt; im Haushaltsentwurf 2026 sind für das BSI 379 Millionen Euro nach 231 Millionen Euro im Vorjahr vorgesehen, ein Plus von rund 64 Prozent. Die Mittel sollen vor allem in den Ausbau von Kompetenzen, technischen Abwehrmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern fließen.
Allgemeine „Hackbacks“ lehnt das Innenministerium ab. Im Januar 2026 hat Dobrindt allerdings angekündigt, laufende oder unmittelbar bevorstehende Angriffe künftig auch durch Eingriffe in die Infrastruktur der Angreifer, auch im Ausland, stoppen zu wollen. Dafür sind gesetzliche Grundlagen erst angekündigt; ob und in welcher Form sie kommen, ist offen.
Inzwischen ist das NIS2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz am 6. Dezember 2025 in Kraft getreten. Rund 30.000 Einrichtungen fallen nun unter das BSI-Gesetz. Sie müssen sich beim BSI registrieren, Risikomanagementmaßnahmen umsetzen (§ 30 BSIG) und erhebliche Sicherheitsvorfälle melden (§ 32 BSIG). Bei Verstößen drohen Bußgelder (§ 65 BSIG).
Fazit
Cyberangriffe sind längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern Teil des digitalen Alltags. Absolute Sicherheit gibt es nicht – wohl aber die Möglichkeit, Risiken zu reduzieren. Entscheidend sind Prävention, technische Schutzmaßnahmen und ein hohes Bewusstsein für mögliche Gefahren.
Cyberangriffe lassen sich nicht vollständig verhindern. Wer vorbereitet ist, kann den Schaden aber deutlich begrenzen. Wie Mitarbeitende dazu beitragen, beschreibt unser Beitrag „Menschlicher Faktor – Mitarbeiter als Sicherheitsbarriere“.
Quellen
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. (2025). Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2025. https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Publikationen/Lagebericht/lagebericht_node.html
- Herzinger, A. (2025, 11. November). „Jeder im Internet ist bedroht“ – Lagebericht des BSI zur IT-Sicherheit zeigt: Die digitale Angriffsfläche wird größer. Süddeutsche Zeitung.
- taz. (2025, 11. November). Lagebericht zur Cybersicherheit. https://taz.de/Lagebericht-zur-Cybersicherheit/!6128835/
- CIO. (2025). Dobrindt gibt dem BSI mehr Geld. https://www.cio.de/article/4017231/dobrindt-gibt-dem-bsi-mehr-geld.html
- Deutscher Bundestag. (2025). Haushalt 2026: Inneres (Textarchiv). https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw48-de-inneres-1126080
- ZDFheute. (2026, 24. Januar). Dobrindt kündigt Gegenwehr bei Cyberangriffen an. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/cyberangriffe-gegenwehr-dobrindt-100.html
- Gesetz zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie und zur Regelung wesentlicher Grundzüge des Informationssicherheitsmanagements in der Bundesverwaltung, BGBl. 2025 I Nr. 301. https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2025/301/VO.html
- BSI-Gesetz (BSIG). https://www.gesetze-im-internet.de/bsig_2025/
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: 25. Oktober 2026. Redaktionell freigegeben durch Dr. Informationssicherheit am 25. Oktober 2026.